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Alt 21.01.2009, 22:12   #2
Anna E.
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Liebe Meike,
hier einige sehr subjektive Anmerkungen zu der Theater- und Ausstellungs-Ankündigung, die hoffentlich von vielen gelesen wird.

Du schreibst von den besonderen kleinen Dingen, die nicht vergessen werden sollen bzw. die sogar darauf angewiesen sind, von uns nicht vergessen zu werden. Denn wenn wir sie vergessen, sind sie wahrscheinlich schnell nicht mehr existent.

Na und? würden manche Menschen sagen, das ist eben der Lauf des Lebens. Warum im gemütlichen Mainstream auf kostbare kleine Juwelen achten? Denn das "Extra"-Drauf-Achten macht Mühe. Und warum soll man sich an etwas hängen, das vielleicht schon überschattet ist von einem mühsamen Überlebenskampf und dessen innewohnender Traurigkeit? Warum solche kleinen Dinge unterstützen/in Ehren halten, die viele Menschen nicht interessieren? Worüber ich mich also auch nicht groß austauschen kann?

Es ist mein höchstpersönliches Thema; dieses Nicht-Vergessen-Wollen und Nicht-Vergessen-Können kleiner Dinge (scheinbar kleiner Dinge), die durch mein Erinnern am Leben erhalten werden. Aber wozu soll das gut sein? Der Ansatz vieler gutgemeinter Ratschläge besagt das Gegenteil: Achte auf das, was wirklich wichtig ist und das sind doch die Dinge, die für alle sichtbar und verständlich sind. Die nicht überschattet sind - von was auch immer. Verliere Dich nicht an Dinge, die für viele völlig unwichtig sind, über die kaum Austausch möglich ist und die nur selten auf Verständnis treffen. Damit machst Du Dich einsam und das ist doch kein schöner Zustand. Wozu kramst Du in der Kuriositätenkiste und widmest Dich nicht stärker dem "normalen" Leben?

Warum höre ich nicht auf diese Ratschläge, die mir durchaus eingängig sind? Weil ich es nicht kann. Der Wille ist da; ich mag kein Außenseitertum, ich mag das Verständnis meiner Mitmenschen, ich will mich ehrlich und fruchtbringend austauschen können, ich will keine Einsamkeit. Aber die (scheinbar) kleinen Dinge, die ich nicht vergessen kann und die viele meiner Mitmenschen nicht in ihrem Gesichtsfeld haben möchten, sind von so fundamentaler Bedeutung, sind so sehr Teil meines Lebens, sind duch ihr langes Nicht-Gesehen-Werden zu unheimlichen und zutiefst traurigen Gestalten geworden, dass ihnen ein wenig Licht gebührt. Und wenn nur ich ihnen das Licht geben kann, dann tue ich es. Vielleicht dürfen sie nach entsprechender Aufmerksamkeit tatsächlich irgendwann abtreten - wenn sie das wollen - oder auch nicht. Vielleicht ist ihre Zukunft gar nicht weiter wichtig wenn man diese Juwelen, diese verlorenen Kinder einmal im Licht gesehen hat; wenn sie all die Aufmerksamkeit bekommen haben, die ihnen gebührte und die ihnen so konsequent verweigert wurde.

Meike, ich habe Deinen Text natürlich hier auf ein sehr persönliches Thema "modelliert". Um noch einmal zum Ursprung zurückzukommen: Sowohl das polnische Theater mit seinem Angebot, als auch Deine wunderschönen Aquarelle sowie dieser spezielle kleine Buchladen, den Du andeutetest, verdienen Aufmerksamkeit. Und sie führen ja zum Glück kein völliges Schattendasein, sondern bedürfen mitunter einiger Hinweise und eines lauteren Rufes: Hier bin ich!

Auf einen regen Zulauf und auf das Gesehen-Werden!

Anna
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